Das Wappen der Stadt Jessen (Elster)

In den Buche: "Die Wappen und Siegel der deutschen Städte, Flecken und Dörfer / 3. Heft: Die Provinz Sachsen und Schleswig-Holstein" von Otto Hupp / Heinrich Keller" heißt es über Jessen:

"Das Wappen der Stadt Jessen zeigt im roten Felde über einer Zinnenmauer eine silberne Kirche mit zwei spitzbedachten Rundtürmen und einem großen goldenen Kreuz auf dem Torgiebel. Seitlich wächst je ein grüner Laubbaum über der Zinnenmauer hervor. So ist das Bild eines Siegels aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, wobei es aber zweifelhaft bleibt, ob die Erhöhungen, die neben der Kirche sichtbar werden, wirklich Bäume oder Dächer vorstellen sollen. Die rechte Seite scheint ersteres, die linke letzteres zu bestätigen. Dieselbe Darstellung hat ein Siegel aus dem Ende des 16. Jahrhundert und ein diesem nachgebildetes, das 1671 benutzt wurde. Später wollte man das erste beschriebene Siegel wohl nach dem Exemplar an einer böswillige Karikatur aussieht. Die neuen Siegel haben zwar die lächerliche Gestalt der Türme und des Unterbaues verbessert, aber an Stelle der beiden Bäume ragen auch dabei noch menschliche Arme aus dem Boden, die einen Hammer schwingen."

Eine Deutung des Wappens kann in Ermangelung aufklärender Belege vorerst nur spekulativ erfolgen. Jedenfalls bildeten Burg oder Schloß als Wahrzeichen des damaligen Ortes wiederum das Hauptmotiv. Darauf lassen die ringförmige Zinnenmauer wie auch die schießschartenartig verengten Fenster schließen. Ob nun die Bäume (oder Baum und linksseitige Dächer) die an sich im Wappenbild zweitrangig angedeutete Umgebung (Laubwald oder Laubwald und Stadt) symbolisieren sollen, bleibt ungewiss, doch nicht unwahrscheinlich. Sehr aufschlussreich sind jedoch die erheblichen Ausmaße des über dem Portal dargestellten Kreuzes. So charakterisiert das Jessener Wappen wohl die Macht- und Besitzverhältnisse des 14. Jahrhunderts sehr anschaulich, nämlich den gewaltigen Einfluss des Magdeburger Erzbistums wie auch die unantastbare weltliche Stellung der askanischen Territorialherren im Gebiet dieser jungen Stadt.

Quelle: Veröffentlichung des Auszuges aus "Die Wappen und Siegel der deutschen Städte..." im Jessener Geschichts- und Heimatblatt Nr. 2 vom Oktober 1920