Lange Straße in Jessen (Elster)

Postkarte von Jessen (Elster), Lange Straße von 1900

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Gedanken von Hermann Prinz

aufgeschrieben in geselliger Runde

Der Langen Gasse! In Jessen von der Elsterbrücke bis zum Markt auf der Ziegengassen-Seite

Hausnummer  
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Retzkenz wohnen ans Ende,

Schmale Lücke zum Damm

Hausnummer
 
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Zilchs haben bunte Wände,
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Schierwagens hamm in schenes Haus,
19
Bei Lieserts guckt der Daniel raus,
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Klempner Nicolaus verkauft auch Steinöl,

zum Höfchen

Hausnummer
 
21
Liesen’s Emil dreht ein Heuseil
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Wolfs Anna hat Gurken, Kraut, blaue Pflaumen, Knullen und Saft,
Schneider Wolfs Teresa guckt an der Ecke nach Kundschaft.

Kurze Gasse

Hausnummer
 
23
Kaufmanns Paul sitzt offen Arsch und schustert und seine Frau tut Schuhe verkofen.
24
Neben an in der „Stadt Dresden“ (Gasthaus) kannst dein Geld versaufen.

Kleine Lücke

Hausnummer
 
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Stocks Franz der kanns, und nun gebt gut acht,
der hat Alemania 08 gemacht.
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Bachmann Erich das Brot war gut und groß die Brötchen,
er kann die leckersten Brezeln,
das ist für 1982 noch ein Rätsel.
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Holz Eier schön bunt und Ersatzteile für Pfeifen, das war Stolls Heinrich, auch das gibt es nicht mehr.
Tauschers Karl und seine Jungens, die machten aus Fleisch die beste Wurst,
hatten manchmal danach auch mächtigen Durst.
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Bubarch von Schierwagen
Ja wenn der Hirschbock nicht war und die Elster kalt und naß,
dann hätten wir Leute, noch Braunbier vom Faß.
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Einen Sattler, der im Sattel saß, von weitem hörte man gut Heil Hurra,
Fromms Wilhelm turnen war sein Leben, Barren und Reck
Für jeden ein Wort, auch für den kleinsten Jeck.
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Stoffe aus Leinen und auch aus Kartun, bei Hertels Wilhelm in den Kasten ruhn
aber Weihnachten war was zu sehen
Märchenspiele, Eisenbahn, Karussels alles zum drehen
alle Menschheit blieb dort stehen.
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Winns Paul, der war sehr klein und wuchs nicht mehr
drum wurde er Friseur
seine Frau seifte ein und er kratzte die Stoppeln.
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Paul Fuhrmann der schuftete redlich mit seinem Blech
Lahm sein Been, er hatte Pech
er verkofte Wannen, Eimer und Kannen von seinem großen reichen Bruder,
doch er blieb immer ein armes Luder.
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Panick’s, die wahres Gold verkauften,
Uhren und machten alte wieder ganz,
manchmal gingense und manchmal nicht,
und Sonntags auf den Fußballplatz, das war sein Idial.

Und dann kam die Gasse quer durch die Stadt, die geht vom alten Hof bis an den Spittelhak

Hausnummer
 
Markt 1
Putz Pannier’s und Putz Dora
Knöpfe, Bänder und lauter kleiner Kram
die Leute dachten wir sein arm
auf einmal kams raus, koften Stadt Dresden das große Haus.
Markt 2-4
Kram’s Erich mit viel Geschick, heiratete er rinn bei Thomee’s
die Wogen schlugen hoch, das Haus bekommt geschäftlichen Charakter,
das die Wogen das Schwagers ersäufen sein Laster.