Seyda

Seyda
Foto: Seyda

Seyda liegt im nordöstlichen Teil von Sachen-Anhalt und war vor seiner Eingemeindung nach Jessen am 1. März 2004 eine der kleinsten Städte dieses Landes mit ca. 1100 Einwohnern.

Eine waldreiche Gegend, flaches Land und sandiger Boden sind für unsere Umgebung am Südrand des Flämings charakteristisch.

Noch heute leben viele Seydaer von der Landwirtschaft. Die Vereinigten Agrarbetriebe Seydaland bildeten sich 1990 aus den ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Spargel, Fleischprodukte und hervorragende Milchleistungen machten Seyda über die Landesgrenzen bekannt..

Der zweitgrößte Arbeitgeber ist der Diest-Hof, eine Diakonische Einrichtung für erwachsene Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, die nach ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert werden.

1883 gegründet vom Verein zur Beschäftigung brotloser Arbeiter als Arbeiterkolonie. Ein hundert Jahre alter Baumbestand und restaurierte Fachwerkbauten prägen das Anwesen des Diest-Hofes.

Seydas östliche Grenze ist gleichzeitig das Tor zur Glücksburger Heide, ein ca. 6850 Hektar großes Waldgebiet mit einem weiten Netz von Rad- und Wanderwegen. Dieses Gebiet erkunden Sie am besten, indem Sie das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad weiterfahren. Das Flüstern schmaler Reifen auf den ebenen Wegen säuselt in Ihren Ohren, wenn Sie sich zur Erkundung der wunderschönen Heidelandschaft aufmachen.

Gut ausgeschildert finden Sie den Kolonieteich. Atmen Sie die frische saubere Waldluft. Setzen Sie sich und lauschen Sie der Sinfonie summender Bienen und lassen Sie Stress und Hektik weit hinter sich zurück.

In den Wäldern um Seyda finden Sie viele erholsame Fleckchen. Je nach Jahreszeit kommen Pilzsucher und Jäger ebenfalls auf ihre Kosten.

Der Wildreichtum dieser Gegend führte wohl auch dazu, dass das Wappen von Seyda einen roten stehenden Hirsch, der sich nach links wendet zeigt. Er steht auf weiß-silbernem Schild auf grünem Boden. Damit hatte die Stadt das Wappen der ehemaligen Herrschaft Seyda (Sydow) übernommen.

Seydas älteste Gastwirtschaft mit Biergarten und Saalbetrieb ist das "Schützenhaus" in der Jüterboger Straße. Familie Arndt führt das Haus in vierter Generation, erbaute 1952 auf dem Hof eine Kegelbahn und modernisierte diese komplett 2005.

In der Mitte des Ortes befindet sich die Gaststätte "Zur Heide". Geschichtliches über die Glücksburger Heide und eine Galerie von Heideköniginnen schmücken die Wände der Gasträume.

Wochentags bietet "Manuelas Landküche" auf dem Gelände der VAG Seydaland ein sehr schmackhaftes und preiswertes Essen.

Lassen Sie sich einladen zu einem geschichtlichen Rundgang durch unser Städtchen.

Das imposanteste Gebäude ist das 1605 erbaute Amtshaus. Es überragt alle umliegenden Häuser und unterscheidet sich grundlegend von ihnen. Zuerst diente es einem höherem kurfürstlich-sächsischen Beamten, der mit der Verwaltung des Amtes Seyda betraut war, als Amtswohnung. Als dann 1815 nach den Befreiungskriegen das Amt und die Stadt an Preußen fiel, wurde es Dienstgebäude eines Königlich Preußischen Gerichts.

Das reichgezierte Portal, die Kreuzgewölbe in den Keller- und Parterreräumen, die Sandsteinpforten und Sandsteintreppen, die geschnitzten Türen, die große Halle im Obergeschoß, der überaus gefällige Fachwerkbau machen das große Haus zu einem Wahrzeichen der Stadt.

2004 erhielt das Haus neue Fenster und eine restaurierte Eingangstür. Auf Grund von Baumaßnahmen im Inneren kann das Haus zur Zeit nur von außen besichtigt werden.

Ein idyllisches Fleckchen findet sich hinter dem Amtshaus. Hier steht noch eine der letzten erhaltenen Schwengelpumpen, wie sie in früheren Zeiten in allen Seydaer Straßen vorzufinden waren.

Dem großzügig angelegte Marktplatz verleiht eine 1998 neu angepflanzte Lindenallee ein besonderes Ambiente.

Gegenüber der Sparkasse steht der Staupstein, der früher die Stadtgrenze in der Jüterboger Straße markierte und auf dem im Mittelalter diejenigen geschlagen "gestäubt" wurden, die ein leichtes Verbrechen begangen hatten.

An der Kreuzung zur Brauhausgasse hat die Sonnenuhr vom Amtshaus einen neuen sonnigen Platz gefunden.

Von der Bergstrasse aus kommen wir durch das 1796 erbaute Kirchtor zum Kirchplatz. Rechts neben dem Kirchtor steht eines der letzten kleinen Fachwerkhäuser.

Vor dem Eingang der Kirche steht die Luthereiche. Sie wurde 1883 zum 400. Geburtstag Martin Luthers gepflanzt. Eine zum ausruhen einladende Bank umringt den Baumstamm.

Die riesige Linde vor dem Pfarrhaus ist wahrscheinlich der älteste Baum in Seyda und ca. 200 Jahre alt. Ein großer Stadtbrand hat 1708 die Kirche in Schutt und Asche gelegt. Kurze Zeit danach (1709-1711) hat man sie wieder aufgebaut. Die großen Figuren links und rechts vom Altar stellen die Apostel Petrus und Paulus dar, nach denen die Kirche benannt ist. Die Orgel fertigte 1883 Orgelbaumeister Geißler aus Eilenburg. In den Sommermonaten finden hier verschiedene Konzerte statt.

Hinter der Kirche steht das ehemalige Schulhaus von 1881. Der gelb-rote Backsteinbau beherbergt seit 1983 die Kindertagesstätte. Auf dem großen begrünten Innenhof finden die Kindern viel Platz zum Spielen.

Über die Neue Straße, mit ihren im Sommer nach Lavendel duftenden kleinen Vorgärten, gelangen wir in die Triftstraße. Seit 1980 steht hier ein neues Schulgebäude. Bis 1993 Sekundarschule und heute Grundschule für die Kinder der umliegenden Dörfern. Der Schulkomplex ist umgeben von einer Kleinsportanlage, einer Sporthalle und einem Fußballplatz, der vom Sportverein Rot-Weiß Seyda rege genutzt wird.

Ein kleines Museum zur Stadtgeschichte und ein heimatgeschichtliches Archiv laden sie auf eine Reise in die Vergangenheit ein und lassen sie durch zahlreiche Fotos wieder lebendig werden.

Mehr darüber kann man auch in den zwei Büchern nachlesen, die über Seyda erschienen sind.

Das kulturelle Leben der Stadt bereichern der Seydaer Spielmannszug, der 1998 sein 50jähriges Bestehen feierte, der Seydaer Heimatverein mit seiner Trachtengruppe, der Sportverein Rot-Weiß mit seinem alljährlichen Sportfest und der Rassegeflügelzuchtverein mit regelmäßigen Ausstellungen.. In unserer gut ausgerüsteten Freiwilligen Feuerwehr und im Katastrophenschutz engagieren sich viele junge Männer und geben den Einwohnern damit ein Gefühl von Sicherheit.

Traditionell wird zum Lindenfest im Mai eine neue Linde gepflanzt. Das Sommerfest des Diest-Hofes findet in jedem Jahr am dritten Juniwochenende statt. Ihre Freude am Feiern bringen die Seydaer eine Woche später zum Schul- und Heimatfest beim großen Festumzug zum Ausdruck. Im Herbst gestalten die Mitglieder der Vereine ein buntes Programm zum Vereinsfest.

In den Wintermonaten steigt die Anzahl der Einwohner um die Circus- und Schaustellerfamilien, die sich hier und in den umliegenden Dörfern mit ihren Winterquartieren niedergelassen haben.

Hinter dem Schützenhausplatz können Sie wohl die größte Erhebung unseres flachen Landes erklimmen.

Legen Sie eine Pause ein und genießen Sie den sich Ihnen bietenden Blick von der kleinen Anhöhe, die im Jahr 2002 als Mountainbikestrecke angelegt wurde.

Besuchen Sie im Frühling den kleinen Park am Ende der Jüterboger Straße in Richtung Morxdorf , so können Sie dort ein Meer von Schneeglöckchen entdecken. Ein Teich mit einer Brücke, ein Kinderspielplatz, eine Skaterbahn, Tiergehegen mit Truthähnen, Enten, Ziegen und anderen Kleintieren laden nicht nur im Sommer zum Verweilen ein.

1938 wurde auf diesem Grundstück ein Reichsarbeitsdienstlager errichtet. Ein Gedenkstein und eine Baracke, die heute von dem Geflügelzuchtverein und der Seydaer Schützengilde genutzt werden erinnern noch daran.

Nicht zu vergessen, das Dorf Schadewalde. Es liegt etwa 1 km südlich von Seyda und wurde 1974 eingemeindet.

Eine neue Straße, Gehwege und ein runder Ziehbrunnen die kurz vor der Jahrtausendwende im Rahmen der Dorferneuerung entstanden, verleihen dem Ort ein harmonisches Bild. Hervorzuheben sind hier die hohen Toreinfahrten, die an die ehemaligen großen Bauernwirtschaften erinnern.

 

Bärbel Schiepel

Chronistin

Eine kleine Chronologische Übersicht:

Seyda - Die bunte Stadt am Flämingrand

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