Jahrhundertflut 2002

Die Bundeswehr, im besonderen der Fliegerhorst Holzdorf, war intensiv an den Rettungs- ,Bergungs- und Sicherungsmaßnahmen im Hochwassergebiet entlang von Elbe und Mulde beteiligt. Anfang August konnte sich niemand ernsthaft vorstellen, dass am 12. August die Katastrophe in einem solchen Ausmaß bereits eingetreten war.

Hochwasser, das ist hinreichend bekannt, gab es schon immer. Sie sind sozusagen eine ganz natürliche Begleiterscheinung des ökologischen Lebens, der Jahreszeiten und der Landschaften mit ihren verschiedenen Ausprägungen und Wetterlagen.

Straße zwischen Gerbisbach und Lebien

Am Montag, 12. August 2002, begann für die Lufttransportgruppe Holzdorf der Katastropheneinsatz. Gegen 17 Uhr wurde der erste Hubschrauber im Rahmen eines SAR-Einsatzes in das Hochwassergebiet in Sachsen befohlen. Unmittelbar danach hat die SAR-Leitstelle der Luftwaffe in Münster auf den Katastropheneinsatz aufgeschaltet und alle verfügbaren Maschinen in den Einsatz geschickt.

Unsere Einsatzleitstelle vor Ort wurde Dippoldiswalde. Der Weißeritzkreis wurde von einer der schlimmsten Katastrophen betroffen, die Sachsen je erlebt hat. In wenigen Stunden entwickelten sich die Müglitz und die Weißeritz zu einem reißenden Fluss, rissen Häuser fort, brachten Menschen um ihre Existenz und beschädigte in größtem Umfang die Infrastruktur. Allein in der eben angesprochenen Region wurden 80 Brücken zerstört.

Alte Herzberger Straße

Unter schwierigsten Wetterbedingungen, bei strömendem Regen und minimaler Sicht wurde mit der Rettung von Menschenleben begonnen. Am Dienstag, den 13.August 2002 wurden durch die Luftwaffenhubschrauber allein in der Zeit von 11 bis 20 Uhr 492 Menschen gerettet. Insgesamt waren es in diesen Tagen 785 Windeneinsätze von Luftwaffe und Heer. Dabei waren die körperliche und vor allem die emotionale Belastung der Hubschrauberbesatzungen enorm hoch. Zudem stieg der Wasserpegel sehr schnell, wenn ein Hubschrauber zum Tanken geflogen ist und zurückkam, waren oft ganze Häuser verschwunden. Schwierig war vor allem die Rettung von Behinderten, alten Menschen oder auch Kindern von Hausdächern oder Bäumen. Selbst für einsatzerfahrene Soldaten stellte dies eine hohe mentale Belastung dar. Ab dem 13. August begann man im Verbund mit CH 53, C-160 und A 310 mit der Evakuierung von Krankenhäusern, die über den Landweg nicht mehr versorgt werden konnten. Insgesamt 237 Patienten, davon 72 Intensivpatienten, 38 hochschwangere junge Frauen wurden per Lufttransport evakuiert.

Bundeswehr in Gorsdorf

Die Vorbereitungen für einen Katastropheneinsatz im Bereich Dessau, Rosslau, Wittenberg und Elbe-Elster liefen auf Hochtouren. Die Katastrophe verlagerte sich mittlerweile Elbe abwärts und eigenes Personal, Soldaten und zivile Mitarbeiter gehörten plötzlich auch zu den Betroffenen.

Teile des Luftwaffenausbildungsbataillons Holzdorf befanden sich in Bereitschaft, prädestiniert zum Einsatz am Sandsack. Als man sie einsetzte, wurden sie durch die Versorgungsstaffel der Lufttransportgruppe Holzdorf mit LKWs, Bussen, Kleinbussen, Kran und Feldarbeitsgerät unterstützt. Auch die Versorgung (Mittagessen etc.) im Feld wurde durch die Versorgungsstaffel übernommen. Statt täglicher Mahlzeitrationen von rund 900 Essen wurden es plötzlich um die 2.500 Mahlzeiten, die geliefert werden mussten.

Das große Aufräumen
Das große Aufräumen

Vom 18.bis 26.August 2002 wurde dann der Fliegerhorst Holzdorf der zentrale Hubschrauberstützpunkt in diesem Katastropheneinsatz. Heer und Luftwaffe operierten gemeinsam mit bis zu 50 Hubschraubern von unserem Fliegerhorst aus.

Nicht alle Eindrücke lassen sich in Bildern so darstellen, wie die Soldaten sie „life“ erlebt haben. Verzweiflung, Hilflosigkeit, Erschöpfung prägten die Gesichter der Betroffenen, nachdem die Flut die Verwüstung preisgab. Mancher ist mit einem blauen Auge davongekommen, viele haben alles gelassen.

Wir, die Soldaten der Bundeswehr, sind jedenfalls ein Stück stolz darauf, geholfen zu haben, die Katastrophe nach besten Kräften zu bewältigen.

Oberstleutnant Josef Wimmer
Kommandeur Lufttransportgruppe Holzdorf